BA35: Fachwissen: Wie viel darf’s denn sein?

Business-Analysten sind spezialisierte Generalisten - aber wieviel Fachwissen brauchen Business-Analysten?

Business-Analysten brauchen viele verschiedene Fähigkeiten und Eigenschaften, um Unternehmen erfolgreich zu unterstützen. In dieser Episode diskutieren wir, wie viel Branchen-Know-How Business-Analysten brauchen. Manche Unternehmen wünschen sich Business-Analysten, die vor allem viel Erfahrung aus der jeweiligen Branche mitbringen, während andere den Fokus mehr auf die Methoden legen. Aber wie viel Domänen-Wissen benötigen sie wirklich? Gibt es ein Zuviel oder gar ein Zuwenig? Wie sieht das aber in der Praxis aus?

Teilnehmer:

avatar Ingrid Gerstbach
avatar Peter Gerstbach

Dauer: 0:38:32

Immer wieder bekommen wir die folgenden Fragen gestellt: Wie viel Domänen-Wissen benötigen Business-Analysten? Gibt es ein Zuviel? Oder gar ein Zuwenig? Sollten sich Business-Analysten auf eine bestimmte Branche fokussieren? Gar nicht so leicht zu beantworten.

Der BABOK® Guide führt dazu zwei generische Stakeholder-Rollen ein: Neben dem Business-Analysten gibt es noch zwei Experten-Rollen:

  • Domain Subject Matter Expert
  • Implementation Subject Matter Expert

Das zeigt eigentlich schon, dass Business-Analysten per se nicht Fachexperten sein müssen. Aber kann es schaden?

Business Knowledge im BABOK

Wenn wir über das Thema sprechen, sollten wir einmal etwas breiter den Begriff „Fachwissen“ definieren. Im BABOK® Guide gibt es folgende Bereiche dazu:

  • Unternehmerisches Denken
  • Branchenwissen
  • Verständnis der Organisation
  • Lösungskenntnis
  • Methodenkenntnis

Unternehmerisches Denken

Hier geht es darum, grundlegende Geschäftsprinzipien zu kennen und Probleme & Chancen zu erkennen.

Was spricht für starkes unternehmerisches Denken: Trotzdem ernst genommen werden (insbesondere als methodischer Spezialist)

Was spricht dagegen: Relativ wenig (dieses Wissen braucht jeder BA)

Branchenwissen

Hier geht es darum gänge Praktiken, Prozesse in einer Branche zu kennen: Trends, Marktkräfte, Treiber, Prozesse, Produkte, Kunden, Begriffe, Regulation

Was spricht für viel Branchenwissen: Keine Kardinalfehler machen, Schnelle Einarbeitung; Beispiel Banken: Regulatorische Vorgaben;

 Was spricht dagegen: So unterschiedlich sind die Branchen auch nicht, und manchmal schadet ein Blick von außen nicht um Dinge zu hinterfragen; außerdem gibt es im Unternehmen eh genug Fachexperten, die sich auskennen. Es sind also mehr die Querdenker gefragt!

Verständnis der Organisation

Hier geht es um Kenntnisse über Struktur, Management und Business-Architektur einer ganz bestimmten Organisation: Personen, Beziehungen zwischen Abteilungen, Kultur, formelle & informelle Strukturen.

Was spricht für ein gutes Verständnis der Organisation: Mann kann vom Methodischen und technischen alles richtig machen, aber wenn man hier versagt, bringt alles nichts (z.B. Stakeholder übersehen, versteckte Machtstrukturen nicht beachten)

Was spricht dagegen: Viel Infos gibt’s im Intranet (Organigramm etc.). Mitarbeiter geben hier meisten auch gerne Auskunft

Lösungskenntnis

Hier geht es um Kenntnisse über mögliche Lösungen: Technologie, Konzepte, Prozesse, etc.

Was spricht für hohe Lösungskenntnis: Beispiel Telekom: Komplexe IT-Landschaft, da braucht man gut 1/2 Jahr um die Zusammenhänge zu verstehen und Branchenstandards zu kennen.

Was spricht dagegen: Auch das lässt sich erlernen. Wer regelmäßig neues lernt, lernt noch schneller zu lernen. Das ist gleichzeitig auch das wichtigstes Lob für  BAs: „Du hast dich so schnell eingearbeitet“
Wer nicht alle Lösungen kennt, ist auch offener für ungewöhnliche Lösungen!

Beispiel: SAP-Berater sehen überall nur SAP als Lösung; Individualsoftware-Berater überall nur Individual-Software

Methodenkenntnis/Vorgehensweise

Vorgehensweise in einem bestimmen Unternehmen kennen:
z.B. Releasezyklen, Vorgehen im Test, wer zu konsultieren ist

Was spricht für gute Methodenkenntnis: Sich schnell einfinden, schnell „Produktiv“ werden

Was spricht dagegen: Pragmatisch bleiben, man könnte in Konzernen ewig Zeit damit verbringen, Prozessdokumentation zu studieren (oder sie zu schreiben) – ohne auch nur irgendwas sinnvolles beizutragen

Pro & Kontra zusammengefasst

Pro Domänenspezialisierung: Geringerer Einarbeitungsaufwand

Kontra Domänenspezialisierung: Scheuklappen-Denken

Branchen-Wissen erarbeiten

  • Branchenverbände (z.B. Telekommunikation: tmforum; Supply Chain: SCOR)
  • Standards, Frameworks
  • Magazine: Liegen vielleicht sogar in Ihrem Unternehmen auf
  • Finanzzeitschriften (Bloomberg, Financial Times)
  • Regulator
  • Leute fragen: Die meisten geben gerne Auskunft und freuen sich, wenn sie ihr wissen teilen dürfen, am besten unter 4 Augen fragen.

Wichtig, damit ihr bessere BAs werdet:

  • Flexibel bleiben
  • unterschiedliche Projekte machen (am besten in unterschiedlichen Firmen und Branchen), aber auch in einem größeren Unternehmen gibt es dafür meistens viele Möglichkeiten (interne Wechsel)
  • Nicht träge werden

Die besten Business-Analysten sind Problemlöser
Investiert nicht zu viel in Fachkompetenz, dafür sind die Domain SMEs da, eure Kernkompetenz ist die Probleme zu verstehen und zu lösen, und da hilft keine Fachkompetenz weiter

Wichtig: Methodenwissen + richtige Denkmuster erwerben + Soziale Kompetenzen

So verbessert ihr Methodenwissen:

  • Büchern (BABOK, Basiswissen BA)
  • Kurse, Weiterbildung
  • Zertifizierung
  • Podcast hören 🙂

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